Liebe(r) Leser/-in,
seit frühester Kindheit beschäftige ich mich für alle Dinge die vor 1970 hergestellt wurden. Vermutlich lag es an meiner Großmutter, die es verstand mit interessanten Geschichten aus Ihrer Kindheit und Erwachsenenalter zu erzählen. Ich konnte mir irgendwann Ihr Leben vorstellen und glaubte ich es selbst erlebt zu haben. Sobald ich was Altes aus unserer Familien in Händen hielt stelte ich mir vor, was damit passiert war.
Diese Begeisterung veranlasste mich mit 13 Jahren anhand von Fotos (insgesamt nur 6 Stück) unser altes Haus zu rekunstruieren.Dabei blieb es natürlich nicht. Alte Urkunden in Sütterlinschrift habe ich in die lateinische Schrift umgeschrieben und auch einen Stammbaum erstellt. Ein Gespräch zwischen mir und meiner Großmutter aufgezeichnet. Und irgendwann mit 17 trat die Quickly in mein Leben. Mit einem Fahrzeug habe ich angefangen und mittlerweise sind es bereits 5. Genauso geht es mir mit Kinderwagen. Angefangen hat es vor ca. 3 Jahren. Da habe ich ein Kinderwagen aus den 50zigern geschenkt bekommen. Derzeit sind es 4 Stück. Und den vermutlich Ältesten in meiner kleinen Sammlung habe ich nun restauriert. Leider konnte ich diesen nicht mehr orginalgetreu aufarbeiten, denn es gab im gesamten Internet keine Farbfotos oder technische Informationen mehr. Aber ich konnte folgendes herausfinden, was ich Euch hiermit erzähle.

Der Kinderwagen ist aus den 20ziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Dies haben meine Nachforschungen im Internet ergeben. Dort konnte ich ein Bild aus dem Jahr 1927 (siehe Bild) finden.

Der Wagen wurde von der Firma E.A. Naether in Zeitz hergestellt. Diese Firma hat 1846 Ernst August Naether (* 10. März 1825 5.November 1894) von seinem Vater übernommen. Mit der Kinderwagen-produktion wurde in den 50ziger Jahren des vorletzten Jahrhunderts begonnen. Die Firma war die erste Fabrik auf diesem Gebiet in Deutschland und war sehr erfolgreich. Aufgrund der geografischen Lage im Osten Deutschlands wurde diese wie viele anderen Firmen 1946 enteignet und gingen in der VEB Zekiwa auf.

Der KiWa war in einem desolaten Zustand (wie auf den Bilder zu sehen). Mit größter Wahrscheinlichkeit war dieser verchromt. Kleine Reste deuteten darauf hin. Die Bepolsterung könnte noch original gewesen sein. Ich habe mich entschlossen, den Wagen nach meinem Geschmack herzurichten. Als erstes wurde das Holzgestell sowie die Gummibereifung entfernt. Danach wurde mit Hilfe der Bohrmaschine und einem speziellen Aufsatz das Gestell entrostet. Das Gestell war ein bischen verzogen. Was möglich war wurde von mir korrigiert. Nach dem Entfetten mit Nitroverdünnung wurde 3 Mal Grundierung d.h. Rostschutz aufgetragen. Zwischenzeitlich wurden der Holzaufbau komplett zerlegt. Defekte Holzteile ausgetauscht und neu verleimt. Damit die Farbe besser hält wurde mit Schmiergelpapier das Holz aufgeraut und gestrichen.
In einem Kaufhaus habe ich einen Kissenbezug mitgenommen, der zerlegt wurde. Der Stoff diente als Bezug für den Kinderwagen. Befestigt wurde dieser mit speziellen Heftzwecken. Eine große Heraus-forderung war die Gummibereifung. Die Alten konnten nicht mehr verwendet werden. Aber wo konnten Neue beschafft werden??? Ich habe vermutlich alleine zwei Monate damit verbracht eine passende Bereifung zu finden, als ein Bekannter eine Idee hatte. Ich sollte eine Gummidichtung von einem DN 250 Kunststoffrohr verwendet. Daraufhin habe ich mir dieses besorgt und er passte, wie angegossen. Mit dem Aufziehen der Bereifung endete die Arbeiten nach fast 40 Stunden.