Die Geschichte von NSU

Angefangen hatte alles im Jahre 1873 mit Christian Schmidt und Heinrich Stoll in Riedlingen an der Donau. Sie richteten eine mechanische Werkstatt zur Fabrikation von Strickmaschinen ein. Doch schon bald (1880) wurden die Räumlichkeiten zu klein und Herr Schmidt zog nach Neckarsulm um.

 

 

 

 

 

 

 

Bald verlegte man sich auf die Produktion von Fahrrädern. Als Auftragsarbeit wurden im Jahre 1888 auch Fahrgestelle für den vierrädrigen Daimler Stahlradwagen hergestellt. Seit 1890 wurden auch für die französischen Gebrüder Peugeot Fahrgestelle geliefert. Schon 1901 wurde das erste eigene Neckarsulmer Motorrad mit einem schweizerischen Zedel-Einbaumotor hergestellt und 1906 befaßte man sich mit der Herstellung von eigenen Automobilen. 1909 wurden mit Neckarsulmer Motorwagen bei der Prinz-Heinrich-Fahrt über 1836 km erste Sportlorbeeren gesammelt. Durch die massiven wirtschaftlichen Einbrüche nach dem Ersten Weltkrieg (1914- 1918) ging es zunächst mit einer den Verhältnissen angepaßten Motorradproduktion weiter, doch auch Automobilfahrgestelle, wurden stets gefertigt und die zugehörigen Karosserien hauptsächlich von Firma Drautz in Heilbronn gebaut.

Mit etlichen klaren Siegen auf der Avus Rennstrecke in Berlin in den Jahren 1921, 1923 und 1924 wurde NSU bekannt. 1925 stellte NSU mit seinem Sechszylinder-Kompressor-Rennwagen den Gesamtsieger des "Ersten Großen Preises für Sportwagen". Beim 1926er großen Preis konnten die offenen Sechszylinder in der Klasse bis 1,5-Liter sogar die ersten vier Plätze in ihrer Klasse belegen. Eines dieser Rennfahrzeuge wurde in den 60er Jahren zufällig in einem Keller in Berlin wiedergefunden, vom Werk erworben und restauriert. Heute kann man das Fahrzeug in der Ausstellungshalle des Werkes Neckarsulm bewundern und im September 1997 soll es der Öffentlichkeit während der Eiffel-Klassik vorgestellt werden.

Im Jahre 1927 wurde bei NSU das erste deutsche Fließband für Motorradproduktion in Betrieb genommen. Doch die aufstrebenden Pläne wurden durch die Weltwirtschaftskrise vom 24. Oktober 1929 zunichte gemacht. Wegen der wirtschaftlichen Flaute und des rasenden Geldwertverfalls wurde die gesamte Automobilproduktion mit allen technischen Anlagen an Fiat in Turin verkauft. In den nächsen Jahren erfolgte die Konzentration auf das Zweiradgeschäft.

Interessant für die Automobilidee dürfte noch der Prototyp Porsche Typ 32 sein. Für Ferdinand Porsche wurden bei NSU drei Versuchsexemplare mit Heckmotor und Einzelradaufhängung hergestellt, es handelt sich um Vorläufer des späteren VW Käfers. Durch glückliche Umstände überstand eines dieser Versuchsfahrzeuge alle Wirren des Zweiten Weltkrieges und ist heute im Volkswagen-Museum in Wolfsburg in gutem Zustand zu sehen.

Die ersten automobilähnlichen Produktionen nach 1929 waren die Kettenkräder ab 1941, die aus Restbeständen bis 1948 mit 1,5-Liter-Opelmotor als eine Mischung von kleinem Panzerfahrzeug und Motorrad hergestellt wurden. Genutzt wurden diese für schweres Gelände konzipierten Kettenfahrzeuge im zivilen Bereich vor allem in der Land- und Forstwirtschaft.

Doch mit dem beginnenden Wiederaufbau Ende der 40er Jahre bis hin zur zweiten Hälfte der 50er Jahre verlegte man sich bei NSU auf die Massenmotorisierung mit preisgünstigen Zweiradfahrzeugen. Angefangen vom Fahrrad über eine ganze Palette von Motorrädern, dem NSU-Autoroller, zunächst mit dem Innocenti Lambretta Lizenzbau über eine verbesserte Prima-D- Konstruktion und nicht zu vergessen, die in Millionenstückzahl hergestellten verschiedenen Quicklytypen. Mitte der 50er Jahre wurde NSU mit Hilfe der Mopeds der größte Zweiradproduzent der Welt. Zahlreiche Rennerfolge der zuverlässigen NSU-Zweiräder und etliche Weltrekorde trugen sicherlich zum guten Ansehen und der Verbreitung der NSU-Produkte bei.

 

NSU Typ 32

 

 

 

Bild 2.1 NSU Prototyp für Porsche Typ 32 (Verkleinerte Version!)

Eine Zusammenarbeit der NSU-Rennabteilung, unter der Leitung von Dr. Walter Froede und dem Erfinder Felix Wankel, der ein Forschungsinstitut für Abdichtungsprobleme in Lindau am Bodensee betrieb, führte 1953 zum Beschluß einen neuen Verbrennungsmotor zu konzipieren und als alternativen Antrieb zu entwickeln.

Doch das aufstrebende deutsche Wirtschaftswunder schaffte bei den Menschen im Lande neue Bedürfnisse, man wollte weg von dem wetterungeschützen Transport, hin zu einem komfortablen fahrbaren Untersatz. Gerade noch rechtzeitig hatte man bei den NSU-Motorenwerken den Zug der Zeit erkannt und sich auf das Automobilgeschäft zurückbesonnen. Wie die Entwicklung im einzelnen ablief, das ist in den nachfolgenden Kapiteln sicher tiefer zu ergründen.

Zur Übersicht ist nachfolgend eine tabellarische Aufstellung der NSU-Geschichte zu finden.

Auszüge aus der NSU Geschichte

1873 richteten zwei wackere Schwaben namens Christian Schmidt und Heinrich Stoll in Riedlingen/Donau eine mechanische Werkstatt ein, in der sie Strickmaschinen herstellten, die zu den technischen Errungenschaften der damaligen Zeit gehörten. Ein Wasserrad trieb nach alter Väter Sitte die zur Bearbeitung der Teile notwendigen Maschinen an.

1880 suchte Christian Schmidt einen geeigneteren Platz für seinen Betrieb, denn die in Riedlingen auf einer Donau-Insel stehende Werkstatt konnte nicht erweitert werden. Er zog nach Neckarsulm ins schwäbische Unterland und trennte sich dabei von seinem Kollegen Stoll.

1884 wurde aus dem Privatunternehmen die Neckarsulmer Strickmaschinenfabrik Aktiengesellschaft.

1886 erkannte Gottlieb Banzlaff die Vorzüge des Fahrrades. Man baute welche. Sie hatten anfangs, wie es zu dieser Zeit Sitte war, vorn ein großes und hinten ein kleines Rad. Aus der mechanischen Werkstatt wurde eine Fahrradfabrik.

1888 leistete man in Neckarsulm den ersten Beitrag zum Automobilbau: Nach Plänen des technischen Direktors Ludwig Zeidler wurden Fahrgestelle an Gottlieb Daimler geliefert, die dann mit einem Daimler-Motor versehen unter der Bezeichnung "Daimler Stahlradwagen"verkauft wurden.

1892 knobelten die bärtigen Fabrikanten das Markenzeichen " NSU " aus, indem sie aus dem Ortsnamen N eckar SU lm drei Buchstaben entlehnten.

1901 ist das Geburtsjahr der NSU-Motorräder , in diesem Jahr wurden bereits 100 Maschinen geliefert. Weil man nicht klotzige Ungetüme baute, sondern "Fahrräder mit Motor", die ein mittelstarker Fahrer beherrschen konnte, war die Nachfrage nach NSU-Motorrädern so groß, daß man kaum alle Liebhaber zufriedenstellen konnte. NSU wurde die bedeutendste Motorradfabrik. Ihre Modelle dienten vielen anderen aufkommenden Firmen als Vorbild.

1906 erhitzten die Melodien aus Paul Linkes ,,Berliner Luft" und die sensationellen Relativitätstheorien eines Albert Einstein die Gemüter, und die ersten "Original Neckarsulmer Motorwagen" verließen die Fabrik.

1909 hatte die Motorsportwelt gleich zwei NSU-Sensationen. Die "Prinz-Heinrich-Fahrt", an der, wie es hieß, nur schwere und starke Wagen mit Erfolg teilnehmen konnten, hatten drei NSU-Wagen ohne Panne beendet. Man staunte über die Leistung der Kleinen. In USA fuhr Otto Lingenfelder den ersten NSU-Motorrad-Weltrekord mit 124 km/h.

1913 Der berühmte und erfolgreichste NSU-Wagen-Typ 5/15 PS, der sich über 10 Jahre lang großer Beliebtheit erfreute, entstand.

1923 schreibt der "Berliner Lokalanzeiger" über den 5/15 PS-NSU beim Avusrennen: "Man muß unumwunden eingestehen, daß z.T. große Leistungen erzielt wurden, die man keineswegs unbedingt erwartet hätte. Wenn beispielsweise drei Fahrzeuge einer einzigen Fabrik (Neckarsulm) die 138,275 km der Rennstrecke in 69,27, 69,30 und 70,09 Minuten, d.h. mit einer Geschwindigkeit von über 120 km/Stunde zurücklegen, so ist das eine Leistung, die, vor allem in der einfach verblüffenden Gleichmäßigkeit, der augenblicklichen Leistungsfähigkeit unserer Kleinauto-Industrie ein Zeugnis ausstellt, wie es ehrender und überzeugender eigentlich nicht gut denkbar ist."

1925 stellte NSU den Gesamtsieger beim "Großen Preis für Sporwagen".

1926 beim "Großen Preis von Deutschland" auf der Avus wurde Klöble/Neckarsulm der Erste seiner Klasse, hinter ihm auf dem 2., 3. und 4. Platz nur NSU. Klöble fuhr mit seinem 1,5-Ltr.-6-Zylinder NSU-Wagen über 400 km mit einem Schnitt von 125,8 km/h; Caracciola erzielte beim gleichen Rennen mit dem 8-Zylinder-Kompressor-Mercedes 135 km/h.

1929 stellte NSU den Automobilbau für fast 30 Jahre ein, um das Schwergewicht auf die Motorradproduktion zu legen.

1934 ließ Professor Porsche bei NSU drei Porsche-Prototypen P32 bauen.

1945 wurden bei einem Fliegerangriff die NSU-Werke in Neckarsulm stark zerstört.

1949 arbeiteten im Werk Neckarsulm bereits wieder 4462 Mitarbeiter.

1951 fuhr Wilhelm Herz auf einer 500-cm 3 -NSU-Kompressor-Maschine den absoluten Geschwindigkeitsweltrekord für Motorräder mit 290 km/h.

1953 errang NSU die Doppelweltmeisterschaft in der 125-cm 3 ­ und 250­cm 3 -Klasse.

1954 NSU errang in diesen Jahren doppelte Weltmeisterschaft in der 125­cm 3 ­ und 250­cm 3 ­Klasse und die Deutschen Meisterschaften in den Motorradklassen 125, 250 und 350 cm 3

1955 errang NSU die Weltmeisterschaft in der 250­cm 3 ­Klasse und holte alle Geschwindigkeitsweltrekorde in den Klassen von 50 cm 3 bis 500 cm 3 .

1956 holten Wilhelm Herz und H. P. Müllerauf den Bonneville Salt Flats in Utah/USA für NSU sämtliche Kurzstrecken-Weltrekorde. Herz wurde mit 339 km/h der schnellste Motorradfahrer der Welt.

1957 erfolgt auf der IAA die Vorstellung des NSU-Automobils PRINZ I/II Automobil PRINZ 1957.

Am 1. Februar wurde bereits der erste Rotationskolbenmotor auf dem Prüfstand der NSU-Forschungsabteilung in Neckarsulm angeworfen.

1958 der Prinz I/II geht in einer neuen, modernen Autohalle in Serienproduktion. Das Sportprinz ­ Coupé wird im Herbst vorgestellt.

1959 Die Serienproduktion von Prinz- und Sportprinz-Wagen läuft auf vollen Touren.

1960 Über 7500 Menschen arbeiten bei NSU. Die Hauptversammlung beschließt die Umbenennung der Firma in "NSU-MOTORENWERKE-AKTIEN-GESELLSCHAFT Neckarsulm".

1961 NSU baut den deutschen Kompaktwagen neuen Stils, den NSU Prinz 4 .

1963 im Juni läuft der 100000ste Prinz 4 vom Band, insgesamt hat NSU bis Jahresmitte 1964 über 206000 Automobile hergestellt.

1964 Serienbeginn eines neuen NSU-Automodells, des Prinz 1000 L. Beginn der Baureihe moderner Vierzylinder-Viertaktmotoren mit obenliegender Nockenwelle.

Im Monat Mai: Die ersten NSU Spider mit NSU-Wankel-Kreiskolbenmotor werden serienmäßig gebaut.

1965 Zwei neue Wagen, der NSU TYP 110 mit 1,1-Liter-Motor und der NSU TT , eine sportliche Version des Prinz 1000, gehen vom Band .

Bei der Internationalen Automobil Ausstellung in Frankfurt zeigt NSU den Automobilantrieb der Zukunft: Einen Doppel-Kreiskolbenmotor mit 2 x 500 cm 3 Kammervolumen. Äußerlich klein in den Abmessungen leistet dieses Kraftpaket 115 DIN-PS.

1966 Der Doppel-Kreiskolbenmotor KKM 509 wird erstmals - eingebaut in einen Auto-Union Munga Geländewagen - bei Versuchsfahrten der Presse vorgestellt.

Serienbeginn der 1,2-Liter-Vierzylinder-Motoren in der Baureihe des NSU 1200 . NSU 1200 1966 Im September: Das 500000ste NSU-Automobil seit der Wiederaufnahme derAutoproduktion im Jahr 1957 verläßt das Fließband in Neckarsulm.

Erster großer Sporterfolg für den NSU-Wankel-Motor: Karl Heinz Panowitz wird Deutscher Grand Tourisme Rallye-Meister aller Klassen auf NSU-Wankel-Spider .

1967 NSU präsentiert bei der Internationalen Automobil Ausstellung in Frankfurt den NSU Ro 80 der Öffentlichkeit.

Ende Oktober geht der Ro80, eine schnelle Reiselimousine mit 4 Türen, 115-PS-Doppel-NSU-Wankel-Kreiskolbenmotor, Frontantrieb, Wasserkühlung, in Neckarsulm in Serie.

Von einer internationalen Jury (Motorfachjournalisten aus 12 Ländern) wird der NSU Ro 80 in Amsterdam zum "Auto des Jahres" und in London zum "Automobil mit dem größten technischen Fortschritt 1967" gewählt.

Siegfried Spiess wird auf NSU-Wankel-Spider Deutscher Automobil-Bergmeister aller Hubraumklassen .

Günther Irmscher gewinnt auf einem NSU TT die längste Automobil-Rallye der Welt mit 15000 km Gesamtlänge, die Tour d'Europe , als Gesamtsieger.

1968 Die Produktion wurde gegenüber dem Vorjahr um 24 % auf 127715 Automobile gesteigert. Ein neuer Mittelklassewagen (K 70) mit wassergekühltem 1,5 Liter-Motor und Frontantrieb ist in der Entwicklung. Aus dem Ro 80 NSU/Wankel-Doppelkreiskolbenmotor wird der seewasserfeste Marine Ro 135-Motor (135 PS/SAE) als Bootsantrieb entwickelt.

1969 Der Marine Ro 135, ein innenliegendes Wankel-Motoraggregat mit Z-förmigem Schraubentrieb, geht in Serienproduktion. Der Serienmotor, eingebaut in ein Rennboot, gewinnt auf Anhieb die 24-Stunden von Rouen/Frankreich über eine Gesamtstrecke von 1706 Kilometer in der Klasse RE 1 und belegt gleichzeitig den 3. Platz in der Gesamtwertung.

Am 10. März wird mit der Auto Union GmbH, Ingolstadt, ein Verschmelzungsvertrag abgeschlossen, der nach der Zustimmung durch die außerordentliche Hauptversammlung (am 26. April 1969) mit dem 21. August 1969 in Kraft tritt. Damit bildet sich die neue Audi NSU Auto Union Aktiengesellschaft. Die Selbständigkeit von NSU geht zu Ende. Der Name ist noch Bestandteil der neuen Firmengruppe.

1973 NSU wird 100 Jahre alt. Die Produktion von Prinz 4 und 1200 C läuft aus.

1977 Der letzte NSU-Typ, der modernisierte Ro 80 wird nach 37395 hergestellten Fahrzeugen vom Band genommen. Ein Nachfolgemodell mit dem neuentwickelten Wankelmotor KKM 871 wird nicht produziert.
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